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Permakultur in Baden-Württemberg: Projekte aus der Region
Die Grundprinzipien der Permakultur gelten überall gleich. Was sie vor Ort bedeuten, unterscheidet sich stark. Ein Garten an der Bergstraße hat andere Voraussetzungen als eine Fläche im Schwarzwald oder auf der Schwäbischen Alb. Baden-Württemberg zeigt das besonders deutlich, weil kaum ein anderes Bundesland auf so kleinem Raum so unterschiedliche Klimazonen vereint.
Warum Baden-Württembergs kleinräumiges Klima eine eigene, standortbezogene Permakultur-Praxis braucht, was das Landesprojekt „Natur nah dran“, der Streuobstpakt Baden-Württemberg und der Waldgarten Grünheck an der Bergstraße zeigen, und wie wir das auf unseren fünf eigenen Flächen umsetzen.
01
Warum Baden-Württemberg eine eigene Antwort braucht
Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) nennt Hitze, Trockenheit und Starkregen als die zentralen Folgen des Klimawandels im Land. Genau diese drei Extreme treffen auf eine der kleinräumigsten Landschaften Deutschlands. Zwischen der warmen Rheinebene, dem Schwarzwald, der Schwäbischen Alb und dem Bodenseeraum liegen oft nur wenige Dutzend Kilometer, aber vollkommen unterschiedliche Böden, Niederschlagsmengen und Vegetationszeiten. Permakultur hat darauf keine pauschale Antwort, sie hat eine Methode: erst den Standort genau beobachten, dann daraus ein System entwickeln, das zu Boden, Klima und Wasserangebot passt. Eine Pflanzenliste oder ein Bauplan, der überall funktioniert, widerspricht diesem Grundgedanken bereits im Ansatz.
Quelle: Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW), Klimawandel in Baden-Württemberg

Fotocredit: Andreas Ebner Fotografie
02
Wasser speichern statt nur bewässern
Klassisches Gärtnern reagiert auf Trockenheit mit mehr Bewässerung. Permakultur setzt eine Stufe früher an: Wie verhindere ich, dass vorhandenes Wasser überhaupt verloren geht? Die LUBW verfolgt mit dem Konzept der blau-grünen Infrastruktur einen ähnlichen Gedanken auf kommunaler Ebene: Regenwasser soll dort zurückgehalten, gespeichert oder versickert werden, wo es fällt, statt es sofort abzuleiten. Im Kleinen sind das Regentonnen, Zisternen, Mulden oder eine dauerhafte Bodenbedeckung. Der baden-württembergische Infodienst Landwirtschaft weist dabei auf einen Punkt hin, der oft übersehen wird: organischer Mulch reduziert Verdunstung und schützt vor Erwärmung, kann im Frühjahr aber auch dafür sorgen, dass der Boden langsamer warm wird. Genau diese Abwägung, nicht ein pauschales „mehr Mulch ist immer besser“, macht den Unterschied zwischen Permakultur und einer bloßen Checkliste aus.
Quelle: LUBW, blau-grüne Infrastruktur; Infodienst Landwirtschaft Baden-Württemberg, Mulchen im Gemüsebau

Fotocredit: Andreas Ebner Fotografie
03
Waldgärten als Vorbild: das Beispiel Grünheck
Wie mehrschichtige Permakultur in Baden-Württemberg konkret aussehen kann, zeigt der Waldgarten Grünheck an der nordbadischen Bergstraße: rund 1.300 Quadratmeter, seit 2017 als Experimentierfeld für Waldgarten-Prinzipien angelegt, mit mehrschichtigem Aufbau, unterschiedlichen Pflanzengemeinschaften und eigenen Methoden zur Bodenpflege und Wasserspeicherung. Gerade dieses Beispiel zeigt aber auch die Grenze jeder Vorbildfläche: Grünheck liegt in einer der wärmsten und sonnigsten Regionen des Landes. Pflanzenkombinationen, die dort funktionieren, lassen sich nicht eins zu eins auf eine kühlere Lage auf der Alb oder im Schwarzwald übertragen: das Prinzip ist übertragbar, die konkrete Pflanzenwahl nicht.
Quelle: Waldgartenverzeichnis.de, Grünheck – Experimentierfläche für Waldgartenprinzipien; Permakultur.de, Waldgarten Grünheck
04
Regionale Bündnisse: Bunte Beete und Klimataskforce Nürtingen
Permakultur in Baden-Württemberg entsteht selten allein. In Nürtingen arbeiten wir eng mit dem Verein Bunte Beete und der Klimataskforce zusammen, ergänzt durch die Zusammenarbeit mit der Stadt Nürtingen und der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen (HfWU). Bunte Beete bringt naturnahes Gärtnern direkt in die Stadt, die Klimataskforce bündelt lokales Engagement für Klimaschutz und Biodiversität, und die HfWU liefert wissenschaftliche Begleitung, etwa in unserem Schulgarten-Projekt an der Mörikeschule. Für uns zeigt dieses Netzwerk, wie viel mehr möglich wird, wenn Vereine, Kommune, Hochschule und Grundstückseigentümer:innen an einem Strang ziehen, statt jeweils für sich allein zu arbeiten.
05
Zukunftsfähige Streuobstwiesen
Baden-Württemberg gehört zu den streuobstreichsten Regionen Europas, doch der Bestand schwindet seit Jahrzehnten, viele alte Wiesen verschwinden durch Nutzungsaufgabe oder Bebauung. Mit dem Streuobstpakt Baden-Württemberg unterstützt das Land deshalb gezielt Pflege, Nachpflanzung und Vermarktung, damit Streuobstwiesen nicht nur erhalten, sondern klimafest weiterentwickelt werden. Zukunftsfähig heißt dabei vor allem: robuste, standortangepasste Sorten statt reiner Nostalgie. Auf unserer Fläche am Galgenberg setzen wir genau das um, etwa mit dem Speierling, einer alten, trocken- und hitzeresistenten Wildobstart, die als echte Zukunftsbaumart gilt, und mit der Birne „Palmisch“, baden-württembergische Streuobstsorte des Jahres 2005. In Königsbach-Stein gehen wir den umgekehrten Weg: Eine 2025 neu gepflanzte Apfel-Monokultur wird gezielt um heimische Gehölze und Strukturvielfalt ergänzt, die Grundlage für den künftigen PermaWaldGarten Apfelsaft.
Quelle: Ministerium für Ländlichen Raum Baden-Württemberg, Streuobstpakt Baden-Württemberg
06
Das Landesprojekt „Natur nah dran“
Dass naturnahe Grünflächen längst kein reines Privatgarten-Thema mehr sind, zeigt das baden-württembergische Landesprojekt „Natur nah dran“: Land und NABU unterstützen darin gezielt Kommunen dabei, öffentliche Grünflächen zu artenreichen, naturnahen Anlagen umzugestalten, mit standortgerechten Wildpflanzen statt Zierrasen und einer langfristigen Pflegeperspektive statt einmaliger Aktion. Für uns ist das ein wichtiges Signal: Die gleichen Prinzipien, die wir auf unseren eigenen Flächen anwenden, werden auf Landesebene aktiv gefördert, nicht nur geduldet.
Quelle: Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg, Natur nah dran

Fotocredit: Andreas Ebner Fotografie
07
Artenvielfalt in einer der vielfältigsten Kulturlandschaften Deutschlands
Nach Angaben des baden-württembergischen Umweltministeriums kommen in der Kulturlandschaft des Landes rund 50.000 heimische Tier- und Pflanzenarten vor, während zugleich rund 40 Prozent davon als gefährdet gelten. Als Hauptursache nennt das Ministerium den Verlust und die Zerschneidung von Lebensräumen, exakt das Gegenteil dessen, was Permakultur anstrebt: Flächen zu vernetzen statt zu isolieren. Jeder naturnah gestaltete Garten, jede Streuobstwiese und jeder Waldgarten wird damit zu einem kleinen Trittstein zwischen den größeren Schutzgebieten des Landes.
Quelle: Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg, Biologische Vielfalt
08
Was das für unsere Arbeit bedeutet
Unsere fünf Projektflächen in Zizishausen, Oberensingen, am Galgenberg, an der Mörikeschule und in Königsbach-Stein zeigen dieses kleinräumige Muster im Kleinen: von den Streuobsthängen im Neckartal bis zur Apfelplantage im Enzkreis unterscheiden sich Hangneigung, Boden und Wasserhaushalt von Fläche zu Fläche. Wir übertragen deshalb kein fertiges Konzept von einer Fläche auf die nächste, sondern wiederholen den gleichen Beobachtungsprozess: Wo staut sich Wasser, wo trocknet der Boden zuerst aus, welche Sorten haben sich hier historisch bewährt. Das Landesprojekt „Natur nah dran“, der Streuobstpakt Baden-Württemberg und Beispiele wie der Waldgarten Grünheck zeigen uns dabei, dass wir mit diesem Ansatz nicht allein sind, sondern Teil einer Bewegung, die in Baden-Württemberg zunehmend auch politisch und wissenschaftlich getragen wird.
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