PermaWaldGarten LogoPermaWaldGarten
Natürliche Sukzession: die Natur gestaltet sich selbst

Themen

Natürliche Sukzession: die Natur gestaltet sich selbst

Lassen wir eine Fläche in Ruhe, passiert etwas Bemerkenswertes: Sie belebt sich. Pioniere kommen, bereiten den Boden vor, werden von anderen Pflanzen abgelöst, die wiederum Bedingungen für die nächste Gemeinschaft schaffen. Diesen Prozess nennt die Ökologie Sukzession — eines der mächtigsten Werkzeuge naturnaher Gestaltung.

Jahrhunderte

bis Jahrtausende dauert die Primärsukzession auf gänzlich unbewachsenem Boden

50–200 Jahre

dauert die Sekundärsukzession nach Rodung oder Nutzungsaufgabe bis zum Klimaxwald

3 %

der europäischen Wälder gelten noch als primär oder annähernd naturgemäß

Von Wildwuchs überwucherte Hütte auf der vernachlässigten Fläche in Oberensingen vor der Revitalisierung

Fotocredit: Andreas Ebner Fotografie

01

Was ist Sukzession?

Sukzession bezeichnet die gerichtete, zeitliche Abfolge von Pflanzen- und Tiergesellschaften auf einer Fläche, von der ersten Besiedlung bis zur Klimaxgesellschaft — dem stabilen Endzustand eines Standorts. Primärsukzession besiedelt völlig nackte Flächen (Jahrhunderte bis Jahrtausende), Sekundärsukzession folgt auf Störungen wie Rodung oder Nutzungsaufgabe und läuft mit vorhandenem Boden schneller ab, oft 50 bis 200 Jahre.

Quelle: Clements, Plant Succession, 1916; Connell & Slatyer, American Naturalist 1977

02

Die Stadien der Sukzession

In Mitteleuropa verläuft die Sekundärsukzession typischerweise so:

  • Pionierphase: Weidenröschen, Disteln, Brennnesseln bereiten den Boden vor
  • Staudenphase: Gräser und Wildstauden übernehmen, erste Sträucher keimen im Schutz
  • Strauchphase: Weide, Birke, Hasel, Holunder etablieren sich
  • Lichtwald: erste Bäume — Birke, Espe, Vogelkirsche, Esche
  • Klimaxwald: Buche, Eiche, Hainbuche oder Erle, geschlossenes Kronendach

Quelle: Ellenberg, Vegetation Mitteleuropas, 5. Aufl. 1996

Junger, gepflanzter Baum neben einem alten Totholzstamm als Übergang zwischen den Sukzessionsstadien

Fotocredit: Andreas Ebner Fotografie

03

Sukzession als Designwerkzeug

In der Permakultur wird Sukzession nicht bekämpft, sondern genutzt: frühe Stadien als Bodenvorbereiter einsetzen, den Prozess durch gezielte Pflanzung höherer Sukzessionsstufen beschleunigen, oder ein Stadium durch Pflege (Mähen, Beweidung) dauerhaft halten. Ein Waldgarten ist im Grunde ein künstlich beschleunigter, gestalteter Sukzessionsprozess hin zu einem essbaren Mischwald.

Quelle: Holmgren, Permaculture Principles, 2002; Crawford, Creating a Forest Garden, 2010

Alter, knorriger Baumstamm als Zeuge einer weit fortgeschrittenen, naturnahen Bestandsentwicklung

Fotocredit: Andreas Ebner Fotografie

04

Die Klimaxvegetation Mitteleuropas

Ohne menschlichen Einfluss wäre der Großteil Deutschlands, Österreichs und der Schweiz von Buchenwäldern bedeckt — die Rotbuche ist unsere natürliche Klimaxart. Heute sind nur noch etwa 3 % der europäischen Wälder als primär oder annähernd naturgemäß einzustufen.

Quelle: EEA, European Forest Ecosystem Report; Bohn et al., Karte der natürlichen Vegetation Europas

Raureif in der Morgenstimmung über der Wiese in Oberensingen

Fotocredit: Andreas Ebner Fotografie

05

Sukzession beobachten und nutzen

Die wichtigste Fähigkeit im Umgang mit Sukzession ist Beobachtung: Bevor du eingreifst, beobachte mindestens eine volle Jahresrunde. Zeigerpflanzen wie Brennnessel (stickstoffreich), Schachtelhalm (Staunässe) oder Huflattich (verdichteter, feuchter Boden) geben präzise Auskunft über den Zustand einer Fläche.

Quelle: Ellenberg, Zeigerwerte der Gefäßpflanzen Mitteleuropas, 1992

Weiterlesen

Buchempfehlungen zum Thema

Werbung: Affiliate-Links zu Thalia — wir empfehlen ausschließlich Bücher, die wir selbst gelesen haben. Alle Buchempfehlungen ansehen →

Willst du deine Fläche in diese Richtung entwickeln?