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Neue Wege für Land- und Forstwirtschaft: der Dauerwald als Beispiel

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Neue Wege für Land- und Forstwirtschaft: der Dauerwald als Beispiel

Kahlschlag, Monokultur, gleichaltrige Bestände, das war jahrzehntelang der Standard in der deutschen Forstwirtschaft. Es geht auch anders, und zwar seit über hundert Jahren, nur hat sich diese Alternative erst durch die Waldkrisen der letzten Jahre wirklich durchgesetzt.

  1. 1922

    Der Forstwissenschaftler Alfred Möller prägt den Begriff Dauerwald, inspiriert unter anderem von seinen Studien des Amazonas-Urwalds.

  2. 1920er-Jahre

    Erste private Waldbetriebe stellen auf kahlschlagfreie Bewirtschaftung nach dem Dauerwald-Prinzip um.

  3. 1987

    Das Saarland stellt als erstes Bundesland flächendeckend auf kahlschlagfreie Bewirtschaftung um.

  4. 2018–2021

    Die Waldkrise mit Hitze, Dürre und Borkenkäfer vernichtet große Teile der deutschen Fichtenforste. Dauerwaldbetriebe zeigen währenddessen deutlich höhere Widerstandsfähigkeit.

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Das Dauerwald-Konzept

Der Begriff Dauerwald geht auf den Forstwissenschaftler Alfred Möller zurück, der ihn 1922 prägte, inspiriert unter anderem von seinen Studien des Amazonas-Urwalds. Die Idee dahinter: der Wald wird nie komplett abgeholzt und neu gepflanzt, sondern kontinuierlich einzelbaumweise oder in kleinen Gruppen genutzt.

  • Kahlschlagfreie Bewirtschaftung
  • Geschützte Bodenlebewelt
  • Mischung verschiedener Baumarten
  • Unterschiedliche Altersstufen nebeneinander
  • Ein Holzvorrat, der kontinuierliche Nutzung erlaubt, ohne den Wald als Ganzes zu schwächen

Quelle: Wikipedia, Dauerwald; ANW Deutschland, Dauerwald-Projekt

02

Die ANW: seit 1950 für den Dauerwald

Getragen wird das Konzept maßgeblich von der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW), einem Zusammenschluss von Waldbesitzern, Förstern und Wissenschaftlern, den es bereits seit 1950 gibt. Die Idee ist also alles andere als ein neuer Trend. Zentral ist dabei das sogenannte Plenterprinzip: statt eines Bestands, der auf einen Schlag gefällt und neu bepflanzt wird, werden einzelne Bäume erst geerntet, wenn sie ihren Zieldurchmesser erreicht haben, während jüngere Bäume in ihrem Schatten weiterwachsen. Die ANW betreibt mit dem Dauerwald-Projekt zudem eigene wissenschaftliche Untersuchungen, um die ökonomischen und ökologischen Folgen naturnaher Waldwirtschaft für verschiedene Standorte konkret zu belegen, statt sich auf reine Überzeugung zu verlassen. Auch in Baden-Württemberg gibt es mit der ANW Baden-Württemberg eine eigene Landesgruppe.

Quelle: ANW Deutschland; Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft, Wikipedia

Selektive Baumpflege mit Häcksler statt Kahlschlag auf der Streuobstwiese in Oberensingen

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Warum das mehr als eine Öko-Idee ist

Während der Waldkrise 2018 bis 2021, als Hitze, Dürre und Borkenkäfer große Teile der deutschen Fichtenforste vernichteten, zeigten Dauerwaldbetriebe eine deutlich höhere Widerstandsfähigkeit. Während klassische, gleichaltrige Bestände flächig zusammenbrachen, blieb das mehrschichtige Waldgefüge im Dauerwald meist erhalten, weil unterschiedliche Baumarten und Altersstufen nicht alle gleichzeitig anfällig für dieselbe Bedrohung sind. Bemerkenswert dabei: private Waldbetriebe, die teils seit den 1920er-Jahren nach diesem Prinzip wirtschaften, zählen heute nicht nur zu den naturnahsten, sondern auch zu den wirtschaftlich rentabelsten Waldbetrieben in Deutschland. 1987 wurde das Saarland als erstes Bundesland flächendeckend auf kahlschlagfreie Bewirtschaftung umgestellt, seither gewinnt das Konzept zunehmend Anerkennung in der Forstwissenschaft.

Quelle: Wikipedia, Dauerwald

04

Kontinuierliches Einkommen statt einer einzigen großen Ernte

Ein Argument für den Dauerwald wird oft übersehen, weil es nicht ökologisch, sondern schlicht betriebswirtschaftlich ist: wer nur reife Einzelbäume erntet, sobald sie ihren Zieldurchmesser erreicht haben, erwirtschaftet jedes Jahr ein laufendes Einkommen, statt jahrzehntelang zu warten und dann auf einen einzigen Kahlschlagerlös angewiesen zu sein, dessen Preis vom Holzmarkt im genau diesem Jahr abhängt. Das macht Dauerwaldbetriebe widerstandsfähiger gegen Preisschwankungen und verteilt das unternehmerische Risiko über viele Jahre, statt es auf einen einzigen Erntezeitpunkt zu konzentrieren, an dem Sturm, Käferbefall oder ein eingebrochener Holzpreis den gesamten Ertrag eines Menschenlebens gefährden können.

Quelle: ANW Deutschland, Dauerwald-Projekt

Gezielter Winterschnitt einzelner Bäume statt flächiger Rodung in Oberensingen

Fotocredit: Andreas Ebner Fotografie

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Was das für unsere Arbeit bedeutet

Dasselbe Prinzip, das im Dauerwald für Bäume gilt, wenden wir sinngemäß auf allen unseren Flächen an: Vielfalt statt Einheitlichkeit, kontinuierliche statt einmalige Nutzung, und Systeme, die auch dann noch funktionieren, wenn ein einzelnes Jahr besonders trocken oder ein einzelner Schädling besonders aktiv ist. Agroforstsysteme und Waldgärten folgen im Grunde derselben Logik wie Dauerwald, nur eben mit essbaren statt reinen Nutzholz-Baumarten.

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