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Kompost: der Kreislauf des Lebens

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Kompost: der Kreislauf des Lebens

Was stirbt, nährt neues Leben. Organische Abfälle werden durch das Zusammenspiel von Mikroorganismen, Pilzen und Kleinstlebewesen in stabilen Humus umgewandelt. Kompost ist kein Dünger im konventionellen Sinn, sondern ein Bodenverbesserer und das Fundament eines funktionierenden Gartenbodens.

Kurz erklärt

Von den Grundlagen der Kompostierung über Methoden wie Bokashi und Wurmkompost bis zu fortgeschrittenen Techniken wie Terra Preta und dem Biomeiler.

50–100 kg

CO₂ spart die Kompostierung einer Tonne organischen Materials gegenüber der Deponierung

25:1–30:1

ideales Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis für aktive Mikroorganismen

25×

klimaschädlicher ist Methan aus der Deponie als CO₂ aus dem Kompost

Kompostthermometer misst die Temperatur der thermophilen Phase im Komposthaufen

Fotocredit: Andreas Ebner Fotografie

01

Die Wissenschaft hinter der Kompostierung

Kompostierung ist aerobe Zersetzung: Mikroorganismen bauen organisches Material unter Sauerstoffzufuhr ab und erzeugen dabei CO₂, Wasser, Wärme und am Ende stabilen Humus. Der Prozess verläuft in drei Phasen und dauert je nach Methode zwischen 3 Monaten (heiß) und 18 Monaten (kalt, passiv).

  • Mesophile Phase (20–40 °C): erste Besiedlung durch Bakterien und Pilze
  • Thermophile Phase (40–70 °C): höchste Aktivität, Krankheitserreger und Unkrautsamen werden abgetötet
  • Reifephase: Regenwürmer und Springschwänze übernehmen die Feinzersetzung

Quelle: Haug, The Practical Handbook of Compost Engineering, 1993

02

Das C/N-Verhältnis: das Geheimnis guten Komposts

Mikroorganismen brauchen Kohlenstoff als Energiequelle und Stickstoff für Proteine. Ideal ist ein Verhältnis von 25:1 bis 30:1 — in der Praxis: abwechselnd eine Schicht Grünmaterial (Grasschnitt, Küchenabfälle) und eine Schicht Braunmaterial (Stroh, trockenes Laub), grob im Verhältnis 1:3. Zu viel Stickstoff führt zu Fäulnis, zu viel Kohlenstoff verlangsamt den Prozess stark.

Quelle: Rynk et al., On-Farm Composting Handbook, NRAES 1992

Zwei Personen schaufeln reifen Kompost in eine Schubkarre

Fotocredit: Andreas Ebner Fotografie

03

Kompostmethoden im Überblick

Je nach Fläche, Menge und Aufwand eignen sich unterschiedliche Ansätze:

  • Heiße Kompostierung: 4–8 Wochen, regelmäßiges Umwenden nötig, tötet Krankheitserreger sicher ab
  • Kalte Kompostierung: passiv, 12–18 Monate, für kleinere Mengen
  • Wurmkompostierung: Kompostwürmer (Eisenia fetida), besonders nährstoffreicher Wurmhumus, auch in der Wohnung möglich
  • Bokashi: Fermentation mit Milchsäurebakterien, auch für Fleisch geeignet
  • Sheet Mulching: Material direkt auf dem Beet in Schichten, ideal für neue Beete
Komposthaufen mit frischen Gemüseabfällen als Beispiel für geeignetes Kompostmaterial

Fotocredit: Andreas Ebner Fotografie

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Was kompostiert werden kann und was nicht

Ja: Gemüse- und Obstreste, Kaffeesatz, Eierschalen, Rasenschnitt, Laub, Stroh, unbedrucktes Papier, Mist von Pflanzenfressern. Mit Vorsicht: krankes Pflanzenmaterial (nur heiße Kompostierung), Zitrusschalen, große Mengen Zwiebeln. Nein im offenen Kompost: Fleisch, Fisch, gekochte Speisen, Hundekot, behandeltes Holz.

Verrottendes Fallobst auf dem Kompost auf dem Weg zu stabilem Humus statt Methan auf der Deponie

Fotocredit: Andreas Ebner Fotografie

05

Kompost und Klimaschutz

Landet organisches Material auf Deponien und verrottet ohne Sauerstoff, entsteht Methan — 25-mal klimaschädlicher als CO₂. Kompostierung produziert stattdessen vor allem stabilen Humus. Eine Studie der TU München zeigt: Die Kompostierung von 1 Tonne organischem Material spart netto 50 bis 100 kg CO₂ gegenüber der Deponierung.

Quelle: TU München, Lehrstuhl für Organische Chemie der Biosysteme; European Compost Network

06

Kompostieren weitergedacht

Ein normaler Komposthaufen ist nur der Anfang. Wer tiefer einsteigt, findet ein ganzes Werkzeugkasten an Methoden, die organisches Material in Humus, Dünger oder sogar Wärme verwandeln, jede mit eigenem Prinzip und eigenem Einsatzgebiet.

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Wurmkompost: Kompostieren mit Helfern

Eine Wurmkiste funktioniert mit rund 500 speziellen Kompostwürmern, die zusammen mit Milben, Springschwänzen und anderen Kleinstlebewesen Küchenabfälle in hochwertige Humuserde verwandeln. Ein Standardmodell verarbeitet etwa 0,5 Kilogramm Biomüll am Tag, größere Modelle das Doppelte oder mehr. Nach rund sechs Monaten lässt sich die fertige, wurmfreie Erde ernten, dazu fällt Wurmtee an, ein flüssiger, stark verdünnt einzusetzender Dünger voller Mikroorganismen. Wurmhumus eignet sich besonders für Starkzehrer wie Tomaten oder Gurken.

Quelle: meine-ernte.de, Die Wurmkiste

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Bokashi: Fermentieren statt verrotten lassen

Bokashi kommt aus dem Japanischen und bedeutet so viel wie Umwandlung. Anders als klassisches Kompostieren, das Sauerstoff braucht, funktioniert Bokashi unter Luftabschluss durch Fermentation, ähnlich wie bei der Sauerkrautherstellung. Küchenabfälle werden mit Effektiven Mikroorganismen angeimpft, luftdicht verschlossen und fermentieren statt zu verrotten. Das Ergebnis lässt sich in den Boden einarbeiten, wo es über Jahre bis Jahrzehnte Nährstoffe bereithält und Kohlenstoff bindet, statt ihn wie bei offener Verrottung teilweise wieder als CO2 freizusetzen. Effektive Mikroorganismen sind spezialisierte Bakterienstämme, die in sauerstofflosen Umgebungen aktiv werden und dabei Vitamine, Spurenelemente, Enzyme, Aminosäuren und Antioxidantien produzieren — sie sind das, was Bokashi überhaupt erst funktionieren lässt.

Quelle: terra-preta.de, Bokashi

09

Terra Preta: die schwarze Erde der Amazonas-Kulturen

Terra Preta ist eine tiefschwarze, extrem fruchtbare Erde, die indigene Kulturen im Amazonasgebiet vor Jahrhunderten schufen, durch gezielte Verkohlung organischen Materials und dauerhafte Besiedlung mit Mikroorganismen. Diese Böden sind bis heute, Jahrhunderte später, deutlich fruchtbarer als die umliegenden Regenwaldböden. Die moderne Umsetzung kombiniert Pflanzenkohle mit fermentiertem Material wie Bokashi und aktiven Mikroorganismen, um genau dieses Prinzip im eigenen Garten nachzubauen: dauerhaft stabiler Kohlenstoff im Boden, der gleichzeitig Wasser und Nährstoffe besser speichert.

Quelle: terra-preta.de

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Kontiki: Pflanzenkohle selbst herstellen

Ein Kon-Tiki ist ein 2014 von Hans-Peter Schmidt und Paul Taylor entwickelter, nach oben offener, konischer Stahlbehälter zur Herstellung von Pflanzenkohle, die Bauanleitung wurde bewusst als Open Source veröffentlicht. Das Prinzip: austretende Pyrolysegase entzünden sich an der Oberfläche, das entstehende Feuerbett erzeugt genug Hitze für weitere Ausgasung und verhindert gleichzeitig, dass Sauerstoff eindringt und das Material zu Asche statt zu Kohle verbrennt. Am Ende wird mit Wasser oder Gülle gelöscht. In einem mittelgroßen Modell entsteht so in etwa drei Stunden fast ein Kubikmeter Pflanzenkohle, die anschließend zu Terra Preta weiterverarbeitet werden kann.

Quelle: German Biochar e.V., Stahl-Kon-Tiki

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Energie aus Kompost: der Biomeiler

Ein Biomeiler nutzt die Wärme, die beim Kompostieren ohnehin entsteht. In einen großen Haufen aus fein gehäckseltem Holz, meist ab 100 Kubikmeter, werden Leitungen verlegt, durch die Wasser zirkuliert. Die Mikroorganismen im Inneren erzeugen beim Abbau Temperaturen von 50 bis 60 Grad, genug, um das durchfließende Wasser spürbar zu erwärmen. Ein großer Biomeiler kann so über ein bis zwei Jahre Wärme liefern, bevor das Material vollständig zu Kompost geworden ist. Das Prinzip geht auf den französischen Landwirt Jean Pain zurück, der es in den 1970er-Jahren bekannt machte. Keine dieser Methoden steht für sich allein: Bokashi-Reste lassen sich in der Wurmkiste weiterverarbeiten, Pflanzenkohle aus dem Kontiki wird zusammen mit Bokashi zu Terra Preta, und der Biomeiler nutzt am Ende genau das Material, das bei jeder Kompostierung übrig bleibt. Gemeinsam ist allen: kein organisches Material geht verloren, es wird zu Boden, Dünger oder Wärme.

Quelle: kompost-tipps.de, Biomeiler

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