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Wildtiere in der Stadt: überraschend artenreich
Städte gelten als Inbegriff der Naturentfremdung. Dabei sind sie längst zu wichtigen Lebensräumen für Wildtiere geworden — manchmal artenreicher als die umgebende Agrarlandschaft. Nischen in Gebäuden, Parks, Straßenbäumen und verwilderten Ecken bieten Unterschlupf, Nahrung und Brutmöglichkeiten für eine erstaunliche Vielfalt an Tieren.
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Warum Städte für Wildtiere attraktiv sind
Städte sind durch den Wärmeinseleffekt 2 bis 4 Grad wärmer als das Umland — das ermöglicht wärmeliebenden Arten die Besiedlung. Obstbäume, Zieranlagen und Kompostplätze bieten reichlich Nahrung, natürliche Feinde fehlen weitgehend, und Gebäude bieten Nistmöglichkeiten für Schwalben, Mauersegler und Fledermäuse.
Quelle: Aronson et al., Global analysis of urban biodiversity, Biological Reviews 2014

Fotocredit: Andreas Ebner Fotografie
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Welche Tiere leben in unseren Städten?
Die Artenliste ist länger als viele vermuten: Fuchs, Waschbär, Steinmarder, Igel und bis zu 18 Fledermausarten gehören fest zum Stadtbild. Städte beherbergen oft mehr Vogelarten als angrenzende Agrarflächen — Haussperling, Mauersegler, Hausrotschwanz, sogar der Wanderfalke nutzen Gebäude als Horstplätze. Manche Wildbienenstudien verzeichnen in Stadtgärten höhere Artenzahlen als in intensiv genutzter Agrarlandschaft.
Quelle: StadtWildTiere Projekt; NABU Stadtbiodiversität; Leibniz-IZW Berlin
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Bedrohungen für Wildtiere in der Stadt
Trotz der Chancen bleibt städtisches Leben riskant:
- Lichtverschmutzung desorientiert Zugvögel und Insekten — Milliarden Insekten sterben jährlich an künstlichen Lichtquellen
- Glasflächen töten in Deutschland schätzungsweise 100 Millionen Vögel pro Jahr
- Freilaufende Hauskatzen zählen zu den größten Bedrohungen für Vögel, Kleinsäuger und Eidechsen
- Pestizide aus Privathaushalten beeinflussen Insektenpopulationen
- Versiegelung reduziert Grünflächen und unterbricht Wanderwege
Quelle: NABU; BUND; DDA Dachverband Deutscher Avifaunisten

Fotocredit: Andreas Ebner Fotografie
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Was jeder tun kann
Jeder Garten, jeder Balkon kann Lebensraum werden: Totholz und Laubhaufen stehen lassen, heimische statt exotische Pflanzen wählen, schon eine flache Wasserschale anlegen, auf Pestizide verzichten, Nisthilfen aufhängen und Nachtlichter reduzieren (insektenfreundlich, warmweiß, nach unten strahlend).
Quelle: NABU, Wildtierfreundlicher Garten; Wilde Städte Projekt
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Was die Forschung sagt
Das Projekt StadtWildTiere erfasste in Berlin, Wien und Zürich hunderte Wildtierarten. Eine Analyse von 54 Studien fand: naturnah gestaltete städtische Grünflächen weisen im Schnitt 35 % mehr Vogelarten auf als umgebende Agrarflächen. Biodiversitätsschutz und Stadtentwicklung sind vereinbar, wenn Grünflächen vernetzt und extensiv gepflegt werden.
Quelle: Aronson et al. 2014; IZW Pressemitteilung 2023
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