Eine alte Volksweisheit sagt, Pflanzen wachsen dort, wo man sie braucht. Einen belegbaren Urheber hat der Satz nicht, auch wenn er oft Hildegard von Bingen oder Kräuterkundigen zugeschrieben wird. Ökologisch erklärt sich vieles schlichter: Pflanzen wie Brennnessel und Wegerich folgen dem Menschen, weil er den Boden stört und düngt.
Die Zeilen mit Deutung nehmen die Weisheit trotzdem als Einladung zum Nachdenken. Sie sind unsere Lesart, keine Tatsache und kein Heilversprechen. Die Zeilen Überlieferung fassen belegte traditionelle Verwendung und Volksglauben zusammen, jeweils mit Quelle.
Echte Nelkenwurz
Geum urbanum
L 4F 5R xN 7
Humoser, nährstoffreicher Boden im Halbschatten, gern unter Gehölzen. Wird durch Kletten an Tieren verbreitet.
Im Waldgarten
Passt zu Waldrandsituationen. Wurzel als Gewürz ernten, vor der Samenreife schneiden, wenn sie sich nicht weiter ausbreiten soll.
Überlieferung
Die gerbstoffreiche Wurzel wurde volksmedizinisch bei Durchfall, Verdauungsbeschwerden und zum Gurgeln verwendet. Wegen ihres Nelkendufts sprach man ihr eine Wirkung gegen Dämonen zu; im Haus sollte sie den Teufel fernhalten. Ihr alter lateinischer Name ist Benedicta, die Gesegnete.
Deutung
Das gesegnete Kraut steht für Schutz und Erdung, gerade in Zeiten des Übergangs, wenn ein Haus neu bestellt wird.
Zeigerwerte: FloraWeb · Überlieferung: Wikipedia, wehd.com
Giersch
Aegopodium podagraria
L 5F 6R 7N 8
Nährstoffreicher, frischer, lockerer Boden im Halbschatten. Typisch für Gehölzränder und alte Gärten.
Im Waldgarten
Gute Fläche für Strauchschicht und Beerensträucher. Giersch als Bodendecker dulden und ernten, Bekämpfen kostet mehr als es bringt.
Überlieferung
Er wurde volksmedizinisch bei Gicht und Rheuma verwendet; die alten Namen Podagrakraut und Zipperleinskraut erinnern daran.
Achtung
Beim Sammeln Verwechslungsgefahr mit giftigen Doldenblütlern wie dem Gefleckten Schierling.
Deutung
Er breitet sich still und hartnäckig aus und steht für das, was festsitzt und wieder beweglich werden will.
Zeigerwerte: FloraWeb · Überlieferung: Wikipedia
L xF 6R 7N 9
Sehr stickstoffreicher, humoser, frischer Boden. Oft dort, wo früher Mist, Kompost oder Tierlager war.
Im Waldgarten
Ideal für Starkzehrer wie Holunder, Johannisbeere, Rhabarber. Abschneiden und als Mulch oder Jauche nutzen, so verteilst du Nährstoffe gezielt um.
Überlieferung
Die Blätter werden traditionell zur Linderung leichter Gelenkschmerzen und zur Durchspülung der Harnwege verwendet. Das Nesselblatt im Wappen Schleswig-Holsteins gilt als Zeichen für fruchtbaren Boden.
Achtung
Nicht anwenden, wenn wegen schwerer Herz- oder Nierenerkrankung wenig getrunken werden soll.
Deutung
Sie kommt, wo Kraft im Überfluss ist, und steht für Klärung und Durchspülung: Was sich angestaut hat, darf wieder fließen.
Zeigerwerte: BOKU · Überlieferung: EMA, botanischerverein.de