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Projektfläche Zizishausen

seit 2025

Zizishausen

Im Gespräch mit dem Besitzer wurde schnell klar: Diese Fläche macht viel Arbeit. Die Trockenheit setzt ihr spürbar zu, die alten Bäume sterben Stück für Stück ab, und jedes Jahr wird eigentlich nur noch Totholz herausgesägt. Neupflanzungen wachsen kaum an, die Brombeere drückt entlang der gesamten Grundstücksgrenze immer weiter hinein. Dazu kommt: Auf der Fläche selbst gibt es kein Wasser, zum Gießen muss also jedes Mal Wasser mit dem Anhänger hingefahren werden, ein enormer Aufwand gerade in trockenen Phasen.

Und doch wirkt die Fläche auf den ersten Blick wunderschön: eine leichte Hanglage, ein weiter Blick Richtung Schwäbische Alb, Sonnenaufgang hinter der Burg Teck und Sonnenuntergang auf der anderen Seite. Eine Bank lädt Spaziergänger zum Verweilen ein, die Wiese selbst ist erstaunlich abwechslungsreich und viele verschiedene Pflanzen blühen. Doch der Zustand der Bäume erzählt eine andere Geschichte: Irgendetwas stimmt hier nicht.

Seit 2025 arbeiten wir deshalb zuerst daran, die Ursachen hinter dem Zustand der Altbäume besser zu verstehen, statt nur Symptome zu behandeln. Im Mittelpunkt steht der Boden: Wir wollen ihn wieder aufbauen, Bodenleben fördern, Humus aufbauen und die Wasserspeicherfähigkeit verbessern, damit die Fläche mit Trockenphasen künftig besser umgehen kann, statt immer mehr von außen ausgleichen zu müssen.

Trotz gutem Humusgehalt ist der Boden unausgewogen versorgt: Die auffällig hohen Eisenwerte deuten auf Sauerstoffmangel durch Verdichtung und Staunässe hin, im Sommer wird der Boden dann sehr trocken, hart und rissig. Mit Regenwasserspeicherung, naturnaher Heckenpflanzung, schonender Altbaumpflege, extensiver Mahd und gezieltem Bodenaufbau entsteht Schritt für Schritt ein widerstandsfähiger Lebensraum. Durch das Mulchen bleibt die Feuchtigkeit länger im Boden, so haben unsere Neuzugänge den ersten Sommer gut überstanden. Neben Holzhackschnitzeln setzen wir dafür stellenweise auch gebrauchte Jute-Kaffeesäcke als bodendeckendes Mulchmaterial ein, das Beikraut unterdrückt und die Feuchtigkeit hält.

Rechnerisch empfiehlt der Laborbefund für die gut 1.600 m² große Fläche jährlich unter anderem rund 24 kg Superphosphat, 24 kg Kalimagnesia und etwa 1.440 Liter Kompost, dazu einen Bor-Langzeitdünger sowie eine Anwendung mit Effektiven Mikroorganismen (EM) im Mai/Juni, um den ausgewogenen Ziel-pH-Wert von 6,5 zu halten. Auch diese Zahlen bringen wir nicht eins zu eins aus, sondern nutzen sie als Orientierung für unseren organischen, schrittweisen Bodenaufbau.

Boden verbessern

Alte Streuobstwiese revitalisieren

Biodiversität steigern

Frostiger Sonnenaufgang über der Streuobstwiese, kahler Baum im Vordergrund
1 / 30

Mit Unterstützung von

Raiffeisen-Laborservice

Kahler Obstbaum im Morgenlicht, im Hintergrund geht die Sonne auf

Erste Schritte: den Boden verstehen, bevor gehandelt wird

Seit 2025 arbeiten wir zuerst daran, die Ursachen hinter dem schlechten Zustand der Altbäume zu verstehen, statt nur Symptome zu behandeln. Im Mittelpunkt steht der Boden: Wir wollen ihn aufbauen, Bodenleben fördern, Humus bilden und die Wasserspeicherfähigkeit verbessern, damit die Fläche mit Trockenphasen künftig besser umgehen kann, statt immer mehr von außen ausgleichen zu müssen.

  • Bodenanalyse als Grundlage aller weiteren Schritte
  • Schonende Rückschnitte entlasten die geschwächten Altbäume
  • Umstellung auf extensive Mahd reduziert Austrocknung im Sommer
  • Gezielte Nachpflanzungen ergänzen Lücken im Baumbestand
1.000-Liter-IBC-Container sammelt Regenwasser für die Bewässerung der Streuobstwiese

Wasser und Mulch statt Neukauf

Auf der Fläche selbst gibt es kein Wasser, jedes Gießen bedeutet bislang, Wasser mit dem Anhänger heranzufahren. Eine Regenrinne am Bauwagen speist deshalb einen 1.000-Liter-IBC-Container, eine mit Holzhackschnitzeln aufgebaute Mulde bremst den Abfluss zwischen den Altbäumen. Auch beim Mulchen setzen wir auf das, was schon da ist: gebrauchte Jute-Kaffeesäcke halten als bodendeckendes Material die Feuchtigkeit und unterdrücken Beikraut, ganz ohne Neukauf.

Freiwillige pflanzen junge Heckensträucher entlang der Grundstücksgrenze

Nutzungskonzept: eine Hecke gegen die Brombeere

112 neue Sträucher entlang der Grundstücksgrenze schaffen Struktur und verdrängen langfristig die Brombeere durch Konkurrenz. Frühblüher wie Salweide, Kornelkirsche und Schlehe versorgen Insekten, wenn im Jahr sonst noch wenig blüht, fruchttragende Arten wie Holunder, Weißdorn und Felsenbirne liefern Vögeln Nahrung, dichte Gehölze wie Hasel und Schlehe schaffen geschützte Rückzugsräume. Die Hecke beschattet zusätzlich den Randbereich, durchwurzelt den Boden und hält Feuchtigkeit besser im System.

Alte Bank am Rand der Streuobstwiese, umgeben von bunten Tassen auf Holzstecken, mit Hund

Die Zukunft der Fläche

Die Entwicklung in Zizishausen ist ein fortlaufender Prozess. Wir beobachten weiter, wie sich Boden, Wasserführung, Pflanzungen und Altbäume entwickeln, und leiten daraus die nächsten Schritte ab. Manche Veränderungen brauchen Zeit, besonders dort, wo es nicht um kurzfristige Korrekturen, sondern um den Aufbau eines stabilen Systems geht. Mit jeder Maßnahme, die Wasser auf der Fläche hält, den Boden belebt, die Vielfalt erhöht und die Bäume entlastet, wächst hier Stück für Stück wieder ein widerstandsfähiges Ökosystem. Nicht alles lässt sich sofort lösen, aber genau darin liegt die Stärke dieses Projekts: Wir arbeiten nicht gegen die Fläche, sondern mit ihr, beobachtend, lernend und Schritt für Schritt aufbauend.

Lage

Hanglage, Blick zur Schwäbischen Alb und Burg Teck

Größe

ca. 1.600 m² (laut Flächenangabe der Bodenanalyse)

Bodenart

Lehm (L)

Analyse

G 37145 vom 13.05.2025, Bio-Anbau

Organischer Kohlenstoff

3,28 % (hoch)

Humus

5,64 % (stark humos)

pH-Wert

6,5 (optimal)

Stickstoff

348 mg/100g (extrem hoch)

Phosphor / Kalium

3 / 17 mg/100g (sehr niedrig / niedrig)

Magnesium / Schwefel

13 / 32 mg/100g (optimal / hoch)

C/N-Verhältnis

9,4 : 1 (sehr eng)

Spurenelemente

Kupfer 2,8 · Mangan 162,8 · Eisen 152,4 · Zink 4,4 mg/kg (Kupfer optimal, Mangan/Eisen/Zink sehr hoch; Eisen deutet auf Sauerstoffmangel durch Verdichtung/Staunässe hin)

Herausforderung

Kein Wasseranschluss (Bewässerung per Anhänger)

Der Laborbefund im Original

Befund der Bodenanalyse Zizishausen vom Raiffeisen-Laborservice mit allen Haupt- und Spurenelementwerten

Originalbefund unserer Bodenanalyse vom Raiffeisen-Laborservice (Analyse-Nr. G37145).

Grafische Einschätzung des Nährstoff-Versorgungszustands im Vergleich zum Optimalwert von 100%

Versorgungszustand im Vergleich zum Optimalwert, deutlich sichtbar der Nährstoffüberschuss bei Mangan, Eisen und Zink sowie das Stickstoffplus.

Was die Bodenwerte bedeuten

Stickstoff: Bestandteil der Pflanzenproteine und unentbehrlich für das Wachstum. Ein Überschuss reduziert allerdings die Widerstandskraft gegen Krankheiten und Schädlinge.

Phosphor: Beteiligt am Energiestoffwechsel der Pflanze, wichtig für die Entwicklung von Blüten, Samen und Früchten.

Kalium: Reguliert den Wasserhaushalt und stärkt die Widerstandskraft gegen Schädlinge, Krankheiten, Trockenheit und Kälte; beeinflusst Geschmack und Haltbarkeit der Früchte.

Magnesium: Als Bestandteil des Blattgrüns wichtig für die Photosynthese.

Bor: Wichtig für den Aufbau der Zellwände, die Wuchssteuerung, den Kohlenhydratstoffwechsel sowie die Blüten- und Fruchtbildung.

Kupfer: Wird für die Nitrataufnahme und den Protein-Zellwandaufbau benötigt.

Mangan: Notwendig für die Herstellung von Fettsäuren und die Bildung von Blattgrün.

Eisen: Notwendig für Proteinaufbau und Photosynthese. Zu hohe Werte werden oft durch Sauerstoffmangel im Boden verursacht, etwa durch Verdichtung oder Staunässe.

Zink: Wird für Photosynthese, Wuchsstoffhaushalt und Stärkeeinlagerung gebraucht.

Neupflanzung

  • Heckenmix, 112 Pflanzen: Felsenbirne, Berberitze, Kornelkirsche, Hasel, Weißdorn, Sanddorn, Heckenkirsche, Schlehe, Holunder, Schneeball, Salweide, Stachelbeere, Rote Johannisbeere
  • Beinwell als Bodenaufbau-Staude

Herausforderungen auf der Fläche

Trockenheit setzt der Fläche spürbar zu: Die alten Bäume sterben Stück für Stück ab, jedes Jahr muss vor allem Totholz herausgesägt werden, und Neupflanzungen wachsen kaum an. Die Brombeere drückt entlang der gesamten Grundstücksgrenze immer weiter hinein. Erschwerend kommt hinzu, dass auf der Fläche selbst kein Wasseranschluss vorhanden ist: Jedes Gießen bedeutet, Wasser mit dem Anhänger heranzufahren, was besonders in trockenen Phasen einen enormen Aufwand bedeutet.

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Kontakt

Trete mit uns in Kontakt

Das PermaWaldGarten-Team nach einer Baumpflanzung im Feld

Foto: Phil Schäck

Nürtinger Straße 29

72649 Wolfschlugen

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