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Deutschlands letzte Wildnis: unsere Vision für den größten Urwald des Landes

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Deutschlands letzte Wildnis: unsere Vision für den größten Urwald des Landes

Wenn von Urwald die Rede ist, denken die meisten an den Amazonas, nicht an Baden-Württemberg. Dabei stand hier vor wenigen Jahrhunderten selbst Wald, der sich niemand angesehen hätte, ob er wirtschaftlich verwertbar ist. Diesen Wald gibt es fast nirgendwo mehr — unsere Vision ist es, an geeigneter Stelle den größten zusammenhängenden Urwald Deutschlands neu entstehen zu lassen und dauerhaft zu schützen.

< 0,5 %

der deutschen Waldfläche gilt noch als annähernd naturnah

0,62 %

der Landesfläche sind konsequent sich selbst überlassene Wildnisflächen

20–30 %

der Biomasse macht Totholz in echten Urwäldern aus — Lebensraum für über 5.000 Arten

Weit ausladende, ungestutzte Baumkrone vor bewölktem Himmel

Fotocredit: Andreas Ebner Fotografie

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Was ein Urwald wirklich ist

Ein Urwald ist kein besonders alter Forst, er ist etwas grundsätzlich anderes: eine Fläche, die sich über sehr lange Zeit, oft Jahrhunderte, komplett selbst überlassen bleibt. Es gibt keine Ernte, keine Pflanzung, kein Aufräumen. Bäume wachsen, altern, sterben und verrotten an Ort und Stelle. Genau das macht den Unterschied: in echten Urwäldern macht Totholz 20 bis 30 Prozent der gesamten Biomasse aus und beherbergt allein dadurch über 5.000 verschiedene Arten, von Pilzen über Käfer bis zu Spechten, die auf genau diese absterbenden und toten Bäume angewiesen sind. Im bewirtschafteten Wald wird Totholz dagegen konsequent entfernt, und Bäume werden gefällt, lange bevor sie ihr natürliches Alter erreichen. Eine Buche könnte 250 bis 300, in Einzelfällen über 400 Jahre alt werden, im Wirtschaftswald wird sie meist schon mit 120 bis 160 Jahren gefällt, kaum in der Mitte ihres möglichen Lebens.

Quelle: Weltnaturerbe Buchenwälder, häufige Fragen

Lichtung in einem alten Laubwald mit dichtem Blätterdach

Fotocredit: Andreas Ebner Fotografie

02

Wie viel Urwald es in Deutschland überhaupt noch gibt

Die ehrliche Antwort: fast keinen. Weniger als 0,5 Prozent der deutschen Waldfläche gilt heute noch als annähernd naturnah. Großräumige Wildnisflächen, also Gebiete, die konsequent sich selbst überlassen werden, machen aktuell nur 0,62 Prozent der gesamten Landesfläche Deutschlands aus. Die Bundesregierung hat sich in der Nationalen Biodiversitätsstrategie das Ziel gesetzt, diesen Anteil bis 2030 auf 2 Prozent zu steigern, das wäre gerade einmal eine Verdreifachung von einem verschwindend kleinen Ausgangswert. Was an alten, weitgehend ungenutzten Buchenwäldern noch übrig ist, steht seit 2011 als UNESCO-Weltnaturerbe unter besonderem Schutz: Grumsin, Hainich, Jasmund, Kellerwald und Serrahn. In den Mittelgebirgen wie Hainich und Kellerwald stehen Buchenwälder, die bereits mehrere tausend Jahre ununterbrochen Wald sind, auf Jasmund im Norden sind es „nur“ rund 800 Jahre.

Quelle: wildnisindeutschland.de; Weltnaturerbe Buchenwälder, häufige Fragen

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Warum das so wichtig ist

Alte, ungenutzte Wälder speichern deutlich mehr Kohlenstoff als junge Wirtschaftswälder, vor allem im Boden, wo er über Jahrhunderte gebunden bleibt statt bei der nächsten Ernte wieder freigesetzt zu werden. Sie sind gleichzeitig die artenreichsten Ökosysteme Mitteleuropas und funktionieren als Wasserspeicher und natürliche Klimaanlage der Landschaft. Und sie sind widerstandsfähiger: während gleichaltrige Fichten- und Kiefernmonokulturen bei Sturm und Dürre reihenweise zusammenbrechen, überstehen strukturreiche, ungleichaltrige Wälder solche Extreme deutlich besser. Der wichtigste Punkt ist aber: ein Urwald lässt sich nicht kaufen oder schnell nachbauen. Er entsteht nur durch eines, konsequentes Nichtstun über sehr lange Zeit. Jede Fläche, die wir heute aus der Nutzung nehmen, ist ein Wald, der in hundert oder zweihundert Jahren zu genau dem werden kann, was wir sonst fast nirgendwo mehr finden.

Weiter Blick über das Neckartal von einer PermaWaldGarten-Fläche aus — ein Ausblick auf das, was über Generationen wachsen kann

Fotocredit: Andreas Ebner Fotografie

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Unsere Vision

Wir wollen eine Fläche identifizieren, sichern und dauerhaft aus jeder Nutzung nehmen, groß genug, um über Generationen zu echtem, zusammenhängendem Urwald heranzuwachsen, dem größten, den es in Deutschland dann gibt. Das ist kein Projekt, das in ein oder zwei Jahren abgeschlossen ist, sondern eine Vision, die wir über Jahrzehnte verfolgen, mit dem Wissen, dass wir selbst das Endergebnis wahrscheinlich nicht mehr sehen werden, unsere Kinder und Enkel aber schon.

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Der Urwald-Fonds

Weil dieses Ziel eine eigene Kategorie ist, größer als eine einzelne Projektfläche, richten wir dafür einen eigenen Spendentopf ein. Jeder Euro, der hier eingeht, fließt ausschließlich in den Ankauf und die dauerhafte rechtliche Sicherung von Waldflächen für dieses Ziel, getrennt von unseren laufenden Projekten.

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