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Mensch und Wildtier: warum es kein Entweder-oder sein muss
Naturschutz wird oft als Gegensatz zur Nutzung durch den Menschen gedacht: entweder eine Fläche wird bewirtschaftet, oder sie wird Wildtieren überlassen. Diese Trennung ist historisch gewachsen, aber nicht zwingend. Es gibt genug Beispiele, die zeigen, dass beides zusammengehen kann, wenn man die Landschaft entsprechend gestaltet.
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Warum Lebensräume heute so zerstückelt sind
Straßen, Siedlungen und intensiv genutzte Flächen zerschneiden Landschaften in immer kleinere Inseln. Tiergruppen, die dadurch isoliert werden, können sich untereinander nicht mehr fortpflanzen und drohen langfristig auszusterben, selbst wenn jede einzelne Fläche für sich genommen noch intakt aussieht. Das eigentliche Problem ist also oft nicht die einzelne Fläche, sondern die fehlende Verbindung zwischen den Flächen.

Fotocredit: Andreas Ebner Fotografie
02
Was Wildtierkorridore leisten
Wildtierkorridore, von Grünbrücken über Autobahnen bis zu einfachen Hecken zwischen zwei Waldstücken, verbinden isolierte Lebensräume wieder miteinander. Aktuelle Forschung zeigt dabei etwas Wichtiges: es reicht nicht, nur Landschaftsmerkmale wie Waldfläche oder Höhenlage zu betrachten. Genauso entscheidend ist, was Menschen in einem Gebiet tatsächlich tun, und wie sie zu den dort lebenden Tieren stehen. Untersuchungen an Wölfen im US-Bundesstaat Washington, Leoparden im Iran und Raubtieren in Zentralindien zeigen, dass Bejagung oder Wilderei einerseits und gezielte Duldung oder sogar Zufütterung andererseits das Bewegungsverhalten von Wildtieren stärker beeinflussen als reine Landschaftsfaktoren.
Quelle: natur.de, Wildtierkorridore, Faktor Mensch beachten
03
Was das für die Praxis bedeutet
Koexistenz ist also nicht nur eine Frage der Fläche, sondern auch der Haltung. Eine Hecke zwischen zwei Feldern nützt wenig, wenn Wildtiere dort trotzdem gejagt oder vertrieben werden, sobald sie auftauchen. Umgekehrt kann eine bewirtschaftete Fläche durchaus Lebensraum bleiben, wenn sie so gestaltet ist, dass Tiere sie queren, nutzen oder zumindest ungestört durchwandern können, etwa durch breite, ungemähte Säume, Nachtruhe für nachtaktive Arten oder schlicht Duldung statt Vertreibung.

Fotocredit: Andreas Ebner Fotografie
04
Wie wir das auf unseren Flächen umsetzen
Wenn wir Hecken planen, geht es uns nicht nur um Pflanzenarten, sondern auch darum, wie eine Fläche tatsächlich genutzt wird, auch von Menschen. Eine Streuobstwiese, die zur Ernte genutzt wird, kann trotzdem Rückzugsraum für Igel, Vögel und Wildbienen bleiben, ein Firmengelände kann produktiv sein und gleichzeitig Trittsteinbiotop. Das Ziel ist nicht, Menschen aus der Fläche herauszuhalten, sondern beides so zu verbinden, dass es sich nicht gegenseitig ausschließt.
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