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Regionale Nahrung: was wächst, wenn die Landschaft wieder Erträge bringt
Der Apfel im Supermarkt kommt oft aus Neuseeland, die Tomate aus Spanien, obwohl beides auch bei uns wachsen könnte und früher auch wuchs. Deutschland importiert den größten Teil seines Obsts und Gemüses, dabei liegt gerade in Baden-Württemberg genug Fläche brach oder wird als reiner Zierrasen genutzt, die stattdessen Nahrung produzieren könnte.
37 %
Selbstversorgungsgrad bei Gemüse in Deutschland
20 %
Selbstversorgungsgrad bei Obst — bei Äpfeln immerhin 48,7 %
3,8 %
deckt heimischer Anbau bei Tomaten
01
Wie abhängig Deutschland wirklich ist
Bei Gemüse liegt der Selbstversorgungsgrad in Deutschland bei nur rund 37 Prozent, bei Obst sogar nur bei etwa 20 Prozent. Am deutlichsten wird es bei Tomaten: hier deckt heimischer Anbau gerade einmal 3,8 Prozent des Bedarfs. Selbst bei Äpfeln, die im deutschen Klima eigentlich hervorragend gedeihen, liegt die Selbstversorgung nur bei 48,7 Prozent. Das bedeutet: mehr als die Hälfte der Äpfel, die wir essen, und der allergrößte Teil der Tomaten kommt von weit her, obwohl beides auf einer Streuobstwiese oder im Gewächshaus nebenan genauso gut wachsen würde.
Quelle: Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) / Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), Mai 2026
02
Was der Transport wirklich kostet
Rund 12 Prozent der deutschen CO2-Emissionen entstehen durch unsere Ernährung, ein erheblicher Teil davon allein durch Transportwege. Gemüse aus Kenia, eingeflogen statt verschifft, verursacht pro Tonne 15-mal mehr Treibhausgase als derselbe Transport per LKW und 90-mal mehr als per Hochseeschiff. Auch der Anbau selbst macht einen Unterschied: Freilandanbau setzt rund 30-mal weniger CO2 frei als Anbau im beheizten Gewächshaus. Regionale Lebensmittel sparen also nicht nur den Transport, sie kommen meist auch ganz ohne Gewächshausheizung aus, weil sie zur passenden Jahreszeit geerntet werden.
Quelle: Klimabonus e.V., Vom Acker zum Teller, 2024

Fotocredit: Andreas Ebner Fotografie
03
Regionale Nahrung aus permakulturellen Systemen
Genau hier setzen die Systeme an, die wir aufbauen. Streuobstwiesen tragen mit über 5.000 dokumentierten Tier- und Pflanzenarten nicht nur zur Biodiversität bei, sie liefern über Jahrzehnte Obst, oft von alten, robusten Sorten, die im Handel längst nicht mehr zu finden sind. Waldgärten gehen noch einen Schritt weiter: sie kombinieren Obstbäume, Nüsse, Kräuter, Beeren und Gemüse in mehreren Schichten auf derselben Fläche, ein System, das sich weitgehend selbst erhält und trotzdem kontinuierlich Ernte liefert. Agroforstsysteme verbinden Baumreihen mit klassischem Ackerbau oder Weidehaltung und steigern so den Ertrag pro Fläche, ohne den Boden zu erschöpfen. Diese Systeme lösen keinen einzelnen Importweg, aber sie zeigen, wie viel regionale Fläche tatsächlich leisten kann, wenn sie nicht als Zierrasen oder Brachland liegen bleibt, sondern gezielt gestaltet wird.

Fotocredit: Andreas Ebner Fotografie
04
Samenfeste Sorten: die Grundlage jeder Selbstversorgung
Regionale Nahrung braucht regionales Saatgut, das sich Jahr für Jahr weiter vermehren lässt. Genau das leisten samenfeste Sorten: ihre Nachkommen tragen dieselben Eigenschaften wie die Elternpflanze und bringen selbst wieder keimfähige Samen hervor. Hybridsaatgut dagegen liefert zwar oft gleichmäßigere Erträge, muss aber jedes Jahr neu gekauft werden, weil die Nachkommen nicht mehr dieselben Eigenschaften zeigen, ein Stück Abhängigkeit, die sich mit samenfesten Sorten vermeiden lässt. Alte, regionale Sorten wie die Bamberger Hörnchen-Kartoffel haben sich über Generationen an lokale Boden- und Klimabedingungen angepasst, oft besser als moderne Hochleistungssorten. Manche Eigenschaften, die im Handel als unerwünscht gelten, etwa behaarte Blätter bei bestimmten Tomatensorten, verringern in Wirklichkeit den Wasserverlust und halten Schädlinge fern. Wer samenfeste Sorten anbaut und eigenes Saatgut gewinnt, sichert also nicht nur Ernährungssouveränität, sondern auch genetische Vielfalt, die sich nicht einfach nachkaufen lässt, wenn sie einmal verloren ist.
Quelle: Plantura, Was ist samenfestes Saatgut
05
Was das für unsere Projekte bedeutet
Wenn wir eine Fläche wie Galgenberg, Oberensingen, Zizishausen oder Königsbach-Stein planen, denken wir Naturschutz und Ernährung von Anfang an zusammen. Eine Hecke schützt nicht nur Insekten, sie kann auch Wildobst tragen. Eine Streuobstwiese ist Lebensraum und Nahrungsquelle gleichzeitig. Das Ziel ist nicht, Deutschland im Alleingang unabhängig von Importen zu machen, sondern zu zeigen, wie viel eine einzelne, gut geplante Fläche tatsächlich leisten kann.
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